Gastbeitrag: Und ständig lockt der Jutebeutel

Hallo ihr Lieben,

heute haben wir mal wieder einen Gastbeitrag für euch. Ludwig Schwankl, ehemaliger Passauer Kuwi-Student, erobert Berlin und teilt heute mit euch seine Meinung zum Hipstertum.

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Und ständig lockt der Jutebeutel…

…oder wie das belächelte Modeklischee des Hipsters längst zum soziokulturellen Leitfaden einer Generation Y avanciert ist.

Längst haben Dreitagebärte, Blumen-Leggings, Nike‑Sneakers und Holzfällerhemden auch den Campus der Uni Passau überschwemmt. Ein schleichender Prozess, der den klassisch biederen Passauer Business‑Look mit seinem stummen Schrei nach Bildung und Karriere, ja ein Albtraum der 68er‑Generation, ad absurdum geführt hat. Träge Begriffsdefinitionen und historische Rückblicke zum Hipstertum sollten in diesem Zusammenhang ausbleiben. Hierzu haben sich die etablierten Medien bereits ausreichend die Finger wund geschrieben, ja das Thema scheint schon wieder so retro zu sein wie die Second‐Hand Bluse deiner Kommilitonin. Was damals allerdings noch als Phänomen einer urbanen Subkultur deklariert wurde, ist mittlerweile ein nicht mehr zu hinterfragendes Modefaktum, dem wir in kollektiver Bigotterie leidenschaftlich frönen, obwohl wir uns in der panischen Angst nach Individualitätsverlust mit dem Bild des Klischee‑Hipsters so gar nicht identifizieren wollen: Wir, die Generation Y, die in ihrem Bedürfnis nach Selbsterfüllung erstmalig in der Lage scheint, alle uns auferlegten Konventionen zu sprengen, sind mal wieder auf eine Modeerscheinung reingefallen. Unser Drang nach Anderssein wurde im Keim erstickt als der angebliche Nonkonformismus auch seitens der nach Innovation und Kreativität lechzenden Unternehmenslandschaft zur Norm erhoben wurde. Und die damit verbundenen gesellschaftlichen Ideale, die uns zu gebildeten Kraetivgenies mit einem nie zuvor dagewesen Freiheitsdrang in Mode und Beruf machen sollten, wurden in ihrer repetitiven Wiederkehr zu sinnentleerten Phrasen. Flache Hierarchien, Teamwork, offene Kommunikation und dabei mit Basecap, Blumenspangen und Sneakers den innovationsträchtigen Rebellen am Arbeitsplatz mimen. Alles gehabt, alles gesehen. Vieles davon mag unsere Generation tatsächlich in ein neues Berufszeitalter katapultieren, das mehr Selbstbestimmung und Freiheit zum selbstständigen Denken verspricht. Ob die besagten modischen Reliquien hierbei eine Rolle spielen, bleibt allerdings stark zu bezweifeln. Sie sind eben nur eine Modeerscheinung, der wir uns alle mehr oder weniger bedingungslos fügen. Lass darauf einen Wodka Mate trinken!

image                             Ludwig Schwankl, ehemaliger Passauer Kuwi-Student

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„IT-Mogul Steve Jobs hatte es vorgemacht. Und nun dient der schwarze Strickpulli auch außerhalb eingeschworener Hipster-Kreise als Symbol für Managementqualität.“ 

One Comment

  1. Es klingt leider im ersten Absatz so, als würde der Autor Hippietum und Hipstertum in einen Topf werfen.

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